Ice Bucket Challenge

Ihr werdet sicher schon davon gehört haben, aber für alle, die nix mit dem Begriff anfangen können, nochmal eine kurze Zusammenfassung. Alle anderen lesen ab dem roten Pfeil weiter.

Die Ice Bucket Challenge ist eine Aktion von der ALS Association (kurz ALSA). Das ist eine US-amerikanische Forschungseinrichtung, die sich mit der Krankheit ALS, Amyotrophe Lateralsklerose, einer Erkrankung des Nervensystems, beschäftigt. Im Grunde genommen ist die Challenge eine Spendenaktion, bei der der Teilnehmer zwei Möglichkeiten hat:

a) er spendet $100 an die ALSA.

b) er spendet nur einen kleinen Betrag von $10, kippt sich dafür aber einen Eimer Eiswasser über den Körper und filmt sich dabei, was er schließlich ins Netz stellt.

Schließlich darf er dann 3 weitere Teilnehmer nominieren, die sich der Herausforderung stellen sollen. Aufgrund des Schneeballsystems verbreitete sich die Challenge sehr stark und erregte große öffentliche Aufmerksamkeit.

So weit, so gut. Klingt ja eigentlich nobel, immerhin ist ALS eine schlimme und wenig beachtete Krankheit, die noch einiger Forschung bedarf.

Tja, leider ist nicht alles, was gut gemeint ist, auch wirklich gut. Es gibt viele Gegenargumente zur Ice Bucket Challenge.

Zu wenig Geld kommt an

Es kommt nur sehr wenig von den Spenden an. In Zahlen gerade einmal 28%. Klar, bei sehr großen Spenden (in einem Monat kamen 76,8 Millionen Euro zusammen) kommt natürlich dann auch mehr zur eigentlichen Forschung. Dennoch ist der Anteil, der für die Verwaltung und anderes, aber eben nicht in Forschung und Beratung draufgeht, einfach zu groß. Er toppt sogar den Anteil bei der NATO, die in dieser Hinsicht ja Verwaltungsapparat #1 ist.

Aber: Der Rest geht nicht etwa komplett in die Verwaltung, sondern zu 19% in Patientenberatung. Das wiederrum ist absolut okay. Was mich ein wenig stutzig macht ist der Anteil von 32% für Aufklärung. Klar muss man aufklären. Aber braucht man dafür wirklich so viel? Wie viel Aufklärung brauchen wir denn über die Krankheit? Vor allem wenn der Anteil zur Aufklärung höher liegt als der eigentliche Nutzen der Forschung?

EDIT: Hier ist ein Link der ALSA, der erklärt, warum das Geld so aufgeteilt ist wie es aufgeteilt ist: KLICK. Vielen Dank an Tante Jay! (Wer des Englischen nicht mächtig ist, dr sollte sich Tante Jays Kommentar mal durchlesen, der erklärt es ziemlich gut kurz und knapp. 🙂 )

Unnötige Tierversuche

In ihrer Forschung greift ALSA auf Tierversuche zurück. Da kann man jetzt natürlich gespaltener Meinung sein, ob Tierversuche zu medizinischen Zwecken in Ordnung sind, grenzwertig oder gar nicht gehen. Doch diese Meinung ist hier völlig egal.

Denn die Tierversuche, die ALSA durchführt, haben sich schon vor Jahren als unnötig, gar unnütz erwiesen. Hierauf verweist auch die Vereinigung deutscher Ärzte gegen Tierversuche. Ein Auszug:

„Dabei ist seit Jahren bekannt, dass Tierversuche für die ALS-Forschung ein völliger Fehlgriff sind“, erklärt Tierärztin Gericke.

Trotz jahrelanger Tierversuchsforschung sind bislang nur ein Dutzend Wirkstoffe, die bei Mäusen die Symptome linderten, in klinischen Studien am Menschen getestet worden. Alle – bis auf einen – versagten vollständig, und der eine Wirkstoff hat für ALS-Patienten nur einen marginalen Nutzen. Beispielsweise verlängert Lithium die Überlebenszeit von SOD1-Mäusen, einer häufig verwendeten Linie, um 30 Tage. Bei drei separaten klinischen Studien mit Hunderten Patienten und Kosten von 100 Millionen Dollar kam heraus, dass Lithium keinerlei therapeutischen Effekt hatte.

(Zitat aus: Ärzte gegen Tierversuche e.V., „Ice Bucket Challenge“, http://www.aerzte-gegen-tierversuche.de/de/startseite/59-kampagnen-und-aktionen/1618-ice-bucket-challenge)

Zudem können die gentechnisch veränderten Mäuse, die man so heranzüchtet, dass sie ALS-Symptome haben, nicht das Krankheitsbild des Menschen abzeichnen, sondern sie haben nur ähnliche Krankheitsverläufe. Wie gesagt, es ist völlig egal, ob man für oder gegen Tierversuche in der Medizin ist. Es sollte aber einleuchtend sein, dass unnötige Tierversuche grundsätzlich nicht okay sind.

Eiswasser

Als junger, gesunder Mensch denkt man natürlich nicht groß über die Risiken nach, die ein Eimer Eiswasser mit sich bringt. Doch für ältere sowie ganz junge Menschen und besonders Kranke kann es schon gefährlich werden. Sie unterschätzen die Reaktion des Körpers auf ein plötzliches Extrem. Gerade zur Hoch-Zeit der Challenge, als es mancherorts brütend heiß war, war das eiskalte Wasser nicht ganz ohne.

Ich will es nicht übertreiben, doch auch kleine Gefahren sollte man nicht unbeachtet lassen.

Geldverteilung

Die meisten Menschen spenden nur selten, etwa ein oder zweimal im Jahr. Nun ist mit der Ice Bucket Challenge für manchen dieses „einmal im Jahr“ schon gedeckt. Ergo fehlt das Geld an vielen anderen Stellen, wo es genauso dringend gebraucht wird.

Das ist allerdings eine Vermutung und wird sich bis Weihnachten noch zeigen.

Fazit

Gut gedacht, schlecht gemacht.

Ich finde, der ALSA sollte man nicht spenden. Die oben genannten Gründe überwiegen einfach und werden nicht durch den Nutzen der Spenden ausgeglichen. Ich bin auch der Meinung, dass man großen Unternehmen eher nicht spenden sollte, sondern lieber kleinen lokalen, die einfach nicht so viel Geld schon in der Verwaltung schlucken. Aber das ist eine persönliche Einstellung.

Meinen Hut ziehe ich aber vor der Medienwirksamkeit der Challenge. Nicht oft verbreiten sich gerade Spendenaktionen so sehr wie die Ice Bucket Challenge.


 

Und nun entschuldigt mich, ich gehe eine andere Spendenaktion vorbereiten.

Wo wir dabei sind: kennt ihr die Spendenaktion für Aurela? Diese Aktion braucht auch noch dringend mehr Unterstützung.

Edit: Ulf kübelt mit – für Aurela.