Erkenntnisse aus meiner Hausarbeit III: Die Lotterie

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TEIL 1- Vom Zufall

TEIL 2- Der Unfall

Kommen wir nun endlich zu Teil 3! Dieser Teil befasst sich mit der vielgeliebten Lotterie. Nachdem Unfall ja nun ein ungewollter und unfreiwilliger Zufall ist, haben wir hier einen gewollten oder freiwilligen Zufall. Frage ich Gleichaltrige danach, ob sie Lotto spielen, schütteln sie den Kopf, schauen erstaunt, dass ich diese Frage stelle und sagen „Da gewinnt man doch eh nicht!“

Ganz anders sieht es bei der Eltern- und Großelterngeneration aus. Da ist eigentlich niemand dabei, der es nicht wenigstens schonmal versuch hat. „Man weiß ja nie“ oder „probieren kann man’s ja mal“ heißt es da öfter. Manche glauben daran, dass sie irgendwann mal  definitiv gewinnen müssen, wenn sie nur lange genug spielen und sich „anstrengen.“ Aber anstrengen bringt natürlich rein gar nichts- immerhin entscheidet der Zufall, welche Zahlen gezogen werden. Zumindest, wenn die Lotterie nicht manipuliert wurde….

Aber fangen wir einmal am Anfang an. Lotterien gibt es schon etwa seit dem
15. Jahrhundert. Die Genuesen waren die ersten, die eine Lotterie einführten. Ganze 3 Jahrhunderte später hat dann auch mal Deutschland davon Wind gekriegt. Damals war der Buschfunk wohl noch nicht so ausgereift. Man kann sich das allerdings nicht so vorstellen wie das Lotto heute. Es wurde betrogen und gezinkt, Lotto war mehr Gaunerei als ein Glücksspiel. 1810 wurde es dann eingestellt, nachdem die Betreiber bankrott gingen. Dann hat es nochmal ne ganze Weile gedauert, bis 1955, bis man doch wieder damit anfing. Diesmal stellte man es aber in staatliche Obhut. Seither dürfen es nur stellen mit besonderer Genehmigung durchführen. Dadurch will man den natürlichen Spieltrieb des Menschen kontrollieren und illegales, ausschweifendes Glücksspiel unterbinden.

Nach besonderen Ereignissen, etwa dem Beginn der Übertragung der Ziehung im Fernsehen 1965, der Aufhebung der Gewinnobergrenze 1981 und 1985, oder gar der Wiedervereinigung Deutschlands 1990, stieg die Beliebtheit des Lottospiels steil an.

In Deutschland spielt man 6 aus 49, es gibt aber auch andere Varianten wie 6 aus 45 in der Schweiz und Österreich oder 6 aus 90 in Italien. Beim deutschen 6 aus 49 ergeben sich circa 14 Millionen möglicher Kombinationen. Die Wahrscheinlichkeit, hierbei 6 Richtige zu tippen, also genau die „richtige“ Kombi, steht bei
1:15,5 Millionen. Will man aber den Jackpot knacken, braucht man dazu ja noch die Superzahl und die Wahrscheinlichkeit sinkt auf stolze 1:139,8 Millionen. Wenn euch das immernoch nicht genügend Zahlen sind: die Chance auf eine Niete erschlägt mit faszinierenden 98,1%.

Quelle: http://lottotipps.blogspot.de/

Wer spielt eigentlich Lotto?

Die Lottolust zieht sich durch alle sozialen Schichten. Ob reicher Banker oder armer Hartz-IV-Empfänger ist relativ egal. Allerdings fand man in einer Studie heraus, dass vor allem Menschen in Notlagen spielen, weil sie sich eine „schnelle Rettung“ erhoffen. Am ehesten zu erwarten ist der Griff zum Lottolos bei der unteren Mittelschicht, da ein sozialer Aufstieg hier ziemlich schwierig ist. Es gibt wohl auch Zusammenhänge bei niedriger Bildung, geringem Berufsstatus und oft bei Zugehörigkeit zu einer ethnischen Minderheit. Die ganz Armen spielen eher nicht, einfach weil man da sein Geld für was anderes braucht. Je mehr man verdient, desto mehr setzt man ein, allerdings sinkt die Spielbeteiligung mit steigendem Einkommen. Wichtig ist auch das Alter: je älter, desto wahrscheinlicher. Der Durchschnittsspieler lebt außerdem in Partnerschaft und in kleineren Gemeinden.

Was mich ein bisschen überrascht hat, waren die Motive. Der Geldgewinn rückt hier bei einer großen Befragung noch hinter den sozialen Aspekt, also dass viele einfach gerne mit Freunden oder Familie spielen. Lottospieler sind also keine heimlichen Einzelgänger. Übrigens gibt es auch den bloßen „Lottosüchtigen“ nicht, denn wenn schon spielsüchtig, dann bezieht sich das auf mehrere Glücksspiele, sogar auf bis zu 5 parallel. Wie viel Organisation dahinter stecken muss…

Kommen wir zum gesellschaftlichen und eigentlich interessanteren Teil. Ich muss sagen, dass ich mir nie groß nen Kopf darum gemacht habe, was überhaupt mit dem vielen Geld passiert, das so eingesetzt wird. Immerhin handelt es sich um enorme Summen. 2005 gingen etwa 5 Milliarden Euro ein! Aber wo gehts denn hin, das liebe Geld? Immerhin betragen die Jackpots immer nur „ein paar“ Milliönchen.

Lotto ist mit ca. 39% versteuert, etwa 13% der Einsätze decken die Verwaltungskosten und 48% werden an die Gewinner ausgeschüttet. Nicht ausgeschüttete Gewinne gehen teilweise unmittelbar in die Länderhaushalte über. Ein anderer Teil fließt zweckgebunden in öffentliche Einrichtungen, z.B. in den Breitensport, in Kunst und Kultur oder in die soziale Wohlfahrt.

Klingt ja soweit nicht schlimm. Aber erinnern wir uns noch einmal daran, dass eigentlich eher Mittelständler einzahlen, ist das doch ganz schön strange. Sie zahlen quasi für etwas, das ihnen nix bringt und das Geld geht dann an Vereine und Organisationen, die sie nicht nutzen. Und die Steuern, die sie da erwirtschaften, sind ja schon ganz schön viel. Bei 5 Milliarden Euro Einzahlung sind das schlappe 1,95 Milliarden Euro Steuern!

Es gibt da Gütekriterien für Steuern. Uns interessieren in diesem Zusammenhang zwei bestimmte: Zum einen das Leistungsfähigkeitsprinzip, zum anderen das Äquivalenzprinzip. Das Leistungsfähigkeitsprinzip besagt grob gesagt, dass eben nicht Leistungsschwache alles buckeln, sondern dass sozusagen jeder gibt, was ihm möglich ist. Das ist beim Lotto ja dadurch verletzt, dass der Großteil der Spieler eben aus der unteren Mittelschicht kommt, die die Lotterie trotz ihrer chronischen Geldknappheit finanziert. Auch das Äquivalenzprinzip wird verletzt, da diejenigen, die durch ihre Lottoausgaben bestimmte Projekte finanzieren, diese selbst unterdurchschnittlich häufig nutzen.

Quelle: http://www.augsburger-allgemeine.de

Aber wie kann man diese Ungleichverteilung und damit Unfairness (ist das ein Wort? Unfairness?) beheben?
Nun, eine Möglichkeit wäre, dass sich wesentlich mehr einkommensstarke Haushalte am Lotto beteiligen. Da man aber natürlich niemanden zwingen kann, zu spielen, ist das wohl von vornherein obsolet. Was ich für sinnvoller halte: Aufklärung!

Klar, jeder weiß selbst, dass die Chancen gering sind. Aber ich denke, kaum jemand weiß, was das wirklich heißt. Der Mensch ist ja gar nicht in der Lage, sich vorzustellen WIE gering die Wahrscheinlichkeit für einen Gewinn ist. Leider wird der begeisterte Lottospieler nur wenig durch Statistiken und Wahrscheinlichkeiten beeinflusst werden können. Man könnte ihm also ebenso erklären, was überhaupt mit diesem Geld geschieht, wohin es fließt und dass der Durchschnittsspieler paradoxerweise indirekt zu seiner eigenen sozialen und wirtschaftlichen Ungleichheit beiträgt.

Die Menschen vom Lottospiel gänzlich abzuhalten oder es gar zu verbieten halte ich dafür für den falschen Weg. Immerhin spielen auch jede Menge psychischer Faktoren hinein. Es ist schön, sich vorzustellen, was man mit einem Megagewinn machen würde. Ein Haus am See? Ein schicker Sportflitzer? Eine Weltreise? Sämtliche Schulden auf einmal loswerden? Klasse! Sowas lenkt halt auch kurzzeitig vom eigenen Elend ab. Man kann mal abschalten, schauen, wohin man möchte. Vor allem führt man sich vor Augen, dass es auch anders geht und das kann im Umkehrschluss wiederrum dazu führen, dass man sich im wahren Leben, abseits vom Lotto, Mühe gibt und Hoffnung schöpft, um seine Lage zu verbessern. Ich weiß, das ist nicht so einfach und vielleicht auch nicht häufig. Zudem besteht die Möglichkeit, dass der eine oder andere Geblendete auf seiner Phantasie hängen bleibt und sich nur auf den eigentlich unmöglichen Lottogewinn versteift.

Indes darf auch nicht ignoriert werden, dass die Lotterie freiwillig ist und der Spieler selbst über die Höhe des Einsatzes und die Häufigkeit des Spiels entscheiden kann. Sofern sich der Spielende also nicht verausgabt, sollten ihm die Freude und die Spannung am Spiel gegönnt werden. Ein Lottoverbot wäre zudem insofern sinnlos, als das Verbotene einen besonderen Reiz ausübt und man daher davon ausgehen müsste, dass weiterhin Lotterien stattfinden würden, wenn auch illegal.

Abschließend betrachtet ist die Lotterie ein tückisches Vergnügen. Während sie dem Einzelnen Lust und Freude bietet, ist sie doch ein Problem für die Gesellschaft. Ihr Reiz verblendet den Spieler, der seine Chance zu gewinnen deutlich überschätzt und das nahezu Unmögliche erhofft. Doch selbst wenn er scheinbar übermäßiges Glück durch einen großen Lottogewinn erfährt, kann ihn das ins Unheil stürzen. Man berichtet von ehemaligen Lottomillionären, die mit ihrem plötzlichen Reichtum nicht umzugehen wussten, sich hoch verschuldeten, das zu spät bemerkten und mitunter schlechter als zuvor gestellt sind. Gesellschaftliche Isolation ist neben potenzieller Armut ein bedeutender Faktor. So kann der unerwartete Reichtum zur Folge haben, dass sich einstige Freunde und Bekannte abwenden, während sich solche finden, die aus niederen Beweggründen, nämlich denen der Gewinnbeteiligung, eine scheinbare Freundschaft zu führen versuchen. Sobald jedoch der Reichtum verschwunden ist, sind sie es auch. So verliert der einst glückliche Lottogewinner nicht nur seinen sozialen Status, sondern auch seinen gesellschaftlichen Halt.

Das Lottospiel ist also mit Vorsicht zu genießen. Man muss sich darüber bewusst sein, welche Konsequenzen sowohl ein Gewinn als auch ein Nichtgewinn haben können und welche Bedeutung der Lotterie in der Gesellschaft zuteil wird. Ein gewollter Zufall bringt nicht immer auch ein gewolltes Ergebnis.

Erkenntnisse aus meiner Hausarbeit II: Der Unfall

HIER gehts zum ersten Teil.

Mittlerweile habe ich übrigens die Note für diese Hausarbeit bekommen: eine 1,3. Ja, ich bin stolz drauf und ja, ich nehme auch gerne Lobpreisungen und Huldigungen entgegen.

Ich habe wirklich lange überlegt, ob ich tatsächlich etwas über das eine meiner zwei Unterthemen schreibe oder nicht: den Unfall. Meine Befürchtung war, dass das Thema zu langweilig sein könnte. Jedoch möchte ich euch nicht vorenthalten, was ich über den Unfall weiß, deswegen entscheidet selbst, ob ihr interessiert seid oder nicht. Ich würde mich natürlich freuen, wenn der eine oder andere mitliest 😉

Die Angaben beziehen sich auf das Jahr 2010 und stammen vom Statistischen Bundesamt:

Unfälle passieren, die meisten im Haushalt (2,7 Millionen) und in der Freizeit (2,6 Millionen). Man darf sich aber nicht durch die hohen Zahlen abschrecken lassen, denn da zählen schon kleinste Verletzungen mit rein oder ganz schlicht und einfach Sachschäden, die der Versicherung gemeldet wurden. Tode durch Herz- und Lungenkrankheiten sind häufiger als durch Unfälle (Rauchen etwa ist also tödlicher als Autofahren. Nun stellt euch mal nen rauchenden Autofahrer vor. Tatsächlich ist sogar jeder Vierte im Jahre 2010 an Krebs gestorben. Unfalltote sind also viel seltener als man es sich vorstellt. Liegt wohl an der medialen Berichterstattung, dass das Bild so verzerrt ist.) 2010 wurden 2,4 Millionen Verkehrsunfälle polizeilich erfasst. Insgesamt gab es 8,25 Millionen Verletzte, also etwa jeder Zehnte in der Bevölkerung hatte 2010 nen Unfall mit Verletzung. 20.200 Menschen starben durch Unfälle.

Wichtig für den Unfall ist das Risiko, denn es bildet die Schnittstelle zwischen Zufall  und Verlust. Dieser Verlust kann gesundheitlicher Natur sein, sich materiell ausdrücken oder sogar im Verlust des Lebens. Risiko besteht immer dann, wenn das Eintreten eines Ereignisses wahrscheinlich ist. Das heißt, dass das Risiko berechenbar ist. Diese Eigenschaft machen sich Versicherungen zunutze.

Die erste Versicherung gab es schon im 14. Jahrhundert in Form der Seeversicherung. Im 17. Jahrhundert entwickelte sich dann das Versicherungswesen und schon ab dem 18./19. Jahrhundert weiteten sich Versicherungen auf alle Lebensbereiche aus. Diese Entwicklung änderte die Sichtweise der Menschen. Was vorher als unausweichliches Schicksal galt, war nun der Unfall, den man berechnen und für den man vorsorgen konnte.

Heute kann man sich gegen eigentlich alles versichern lassen. Dabei muss man aber immer bedenken, dass eine Versicherung nur nachwirkend greift. Eine Versicherung schützt natürlich nicht vor einem Unfall, kann aber für die Zeit danach sehr hilfreich sein. Sie ist ein soziales Konstrukt, denn eine Masse an Versicherten zahlt hinein, aber nur vergleichsweise wenige kriegen etwas raus. Das ist auch gut so, denn in vielen Fällen wäre es unmöglich, die Kosten für eine Nachversorgung allein zu tragen.

Wenn wir uns einmal die Mühe machten, einen Versicherungsvertreter ins Haus zu holen, dann wird er uns Unmengen an möglichen Risiken aufzeigen, uns vielleicht sogar richtig Angst machen.

Er wird die Lust und das Bedürfnis in uns wecken, Vorkehrungen zu treffen, alle Eventualitäten einzukalkulieren und sogar zukünftige Risikowahrscheinlichkeiten zu bedenken. Es kommt vor, dass aus dem Wunsch nach Sicherheit heraus Menschen horrende Summen investieren, nur um gegen einen eventuellen Fall gerüstet zu sein. Es gibt sogar jene, die sich für denselben Sachverhalt mehrfach versichern. Die psychologisch wirksamen Schlagworte sind dabei immer ähnlich: Sicherheit, Risiko, Vorsorge, Zukunft. Nur schwer kann man sich dem entziehen, denn wir sollen nicht nur für uns, sondern auch für unsere Nächsten vorsorgen. In einem Schadensfall sollen unseren Angehörigen keine Mühen zulasten werden, im Falle unseres Todes sollen die Hinterbliebenen für unser Ableben entschädigt werden. Das ist der eine Teil dessen, was Francois Ewald als „Vorsorgestaat“ bezeichnete: wir sorgen für alles vor.

Der andere Teil sind die schon angesprochenen Sozialversicherungen. Neben der Unfallversicherung gehören auch noch Kranken-, Pflege- und Rentenversicherung dazu. Ob die Arbeitslosenversicherung auch reinzählt ist kontrovers, Fakt ist aber, dass jeder in alle dieser 5 Versicherungen einzahlen muss. Somit sozialisiert die Versicherung das Risiko. Wir alle tragen das Risiko. Man könnte also durchaus diskutieren, ob es unter diesem Gesichtspunkt nicht unsozial ist, sich gewollt einem erhöhten Risiko auszusetzen, etwa durch Extremsport. Doch das würde den Rahmen hierfür eindeutig sprengen.

Für Unfälle kann man natürlich auch vorsorgen. Eine Möglichkeit sind Vorschriften und Gesetze, regelmäßige Kontrollen (etwa technischer Geräte), Gefahrenschulungen und Regelungen für den Umgang miteinander und mit Gegenständen. Ich habe das Beispiel der Straßenverkehrsordnung gewählt, denn es ist ja sogar geschrieben worden, um Unfälle zu verringern, indem man das Verkehrsgeschehen ordnet. Der Einzelne trägt hier schließlich ein kollektives Risiko, denn baut er aus Unachtsamkeit oder Dummheit einen Unfall, kann es leicht passieren, dass auch andere mit einbezogen werden. Die Strafen sind dann aber individuell, etwa durch Bußgelder, Fahrverbote oder sogar Gefängnisstrafen.

Man kann es übrigens auch übertreiben mit seiner Unglücksvorsorge, wie uns die US-Amerikaner mit ihren persönlichen Luftschutzbunkern und Panic Rooms beeindruckend zeigen. Letztens habe ich sogar einen Bericht gesehen, nach dem sich die Reichsten der Reichen individuelle Designer- Bunker kaufen konnten. Schließlich will man ja auch nicht im Extremfall auf Kingsize-Betten, Sekt und Hummer verzichten.

Der Unfall als ein unfreiwilliger Zufall ist nie gänzlich auszuschließen, denn er ist prinzipiell immer möglich. So bedrohlich das auch klingen mag, dürfen wir aber nicht in Panik geraten und wir müssen auch nicht ständig Angst haben. Der Unfall kann eben, muss aber nicht passieren. Und wenn er geschieht, sind wir in der Regel bestens auf ihn vorbereitet. Er ist ein natürlicher Bestandteil des Lebens, zeigt uns, dass wir aktiv sind und zu einem Miteinander gehören. Auch wenn er nicht immer einen Grund hat, können wir uns doch damit trösten, im Nachhinein einen Grund zu suchen. Wir können ihn einer höheren Macht zuschreiben, ihn mit dem Schicksal erklären. Oder wir können ihn als das auffassen, was er ist: als mögliche Realität; als eine Realität von vielen.

Weiter zu Teil 3.

Erkenntnisse aus meiner Hausarbeit I: Vom Zufall

Wie ihr mitbekommen habt, habe ich länger keinen Artikel geschrieben. Das lag nicht nur an meinen unzähligen Prüfungen, sondern auch daran, dass ich etwas anderes schrieb: meine Hausarbeit. Eigentlich hätte ich fast 2 Monate dafür Zeit gehabt, doch dank der Prüfungen und Nachprüfungen (die ich alle über- und bestanden habe) verkürzte sich diese Dauer auf ganze 2 Wochen. Das ist wirklich kurz. Also so richtig und wirklich wirklich kurz. Ihr seht, es war mir einfach unmöglich, noch einen Artikel zu schreiben. Doch jetzt habe ich das Semester endlich hinter mir und was liegt näher, als euch ein paar Einblicke in das zu geben, womit ich mich so intensiv, wenn auch kurz, befasst habe? Ich versuche es auch für Nichtsoziologen verständlich zu machen. 😉

Also. Der Titel meiner Hausarbeit lautete „Der Zufall im Alltag. Bedeutung und Bewältigung an den Beispielen Unfall und Lotterie.“ Ist lang, aber ganz einfach: Zufall, Unfall, Lotto. Bevor ich euch was zu den Beispielen sage, hier ein kurzer Einblick in den Zufall.

Der Zufall ist ein Sonderfall der Kontingenz und die ist all das, was auch anders sein kann. Also etwa wenn ich an einer roten Ampel stehe, dann kann sie entweder grün werden und ich gehe gediegen über die Straße, oder sie ist kaputt und ich stehe ewig sinnlos herum, bis ich das mal mitbekomme. Oder aber sie springt auf grün, ich gehe los und werde von einem betrunkenen Autofahrer überfahren. Verstanden? Kann anders sein, also ist kontingent. Beim Zufall kommt dann dazu, dass er so gekommen ist, aber für mich ganz plötzlich und unerwartet und ohne, dass ich das so gewollt hätte.

Die meisten Zufälle bekommen wir gar nicht mit oder nennen sie nicht Zufall, sondern sagen das war Schicksal oder wir haben Glück oder Pech gehabt. Der Zufall kann aber auch voll einschlagen, unser ganzes Leben verändern, sowohl positiv als auch negativ. Genau dann haben wir ein Problem mit ihm. Denn der Zufall kennt keinen Grund. Wir aber suchen in allem einen Grund. Wir können es nicht akzeptieren, dass etwas einfach so geschieht, sondern wir wollen einen Schuldigen oder einen Helden oder uns zumindest damit trösten, dass es uns so vorherbestimmt war durch eine höhere Macht.

Unser nächstes Problem ist, dass wir in einer Kontingenzgesellschaft leben. Das heißt, wir haben viele Möglichkeiten zu handeln und sind relativ frei in unseren Entscheidungen. Und überall da, wo wir einen großen Handlungs- und Entscheidungsspielraum haben, sitzt die Kontingenz ganz häufig- und mit ihr der Zufall. Aber wir wollen planen und die Kontrolle über alles haben, deshalb ist der Zufall etwas Unerwünschtes- also versuchen wir ihn zu eliminieren. Eine Möglichkeit ist, unsere Handlungsspielräume wieder einzugrenzen, vor allem durch Gebote und Verbote, Ordnungen, soziale Rollenmuster, Verhaltensvorschriften und dergleichen.

Eine andere Möglichkeit ist die Kontrolle des Zufalls. Wir wollen ihn berechnen und analysieren, aber das lässt er nicht einfach mit sich machen. Wir können zwar Statistiken erstellen und Wahrscheinlichkeiten voraussagen, aber wir wissen nie, wann und wo er tatsächlich zuschlägt und wen er trifft.

Der Zufall ist in unserer Gesellschaft also eher etwas Negatives. Wir wollen ihn nicht haben. Dabei ist er bei genauerer Betrachtung gar nicht böse, sondern er zeigt uns, wie frei wir sind. Denn was bedeutet denn Freiheit? Frei handeln zu können, eigene Entscheidungen zu treffen! Da wo uns der Zufall getroffen hat, hatten wir meist eine Wahl.

Zudem macht der Zufall uns überhaupt erst zu dem, was wir sind. Er bestimmt, welche Chromosomen wir abbekommen, welche Erfahrungen wir machen, wie wir werden. Durch ihn ist die Evolution erst möglich, durch ihn macht man großartige Entdeckungen, er bietet uns immer Neues.

Ihn kontrollieren oder gar eliminieren zu wollen ist sinnlos. Stattdessen sollten wir ihn als das ansehen, was er ist: als mögliche Realität, eine Realität von vielen.

HIER gehts weiter zu Teil 2.

Queen of Procrastination

Es ist wieder einmal soweit. Die Prüfungen stehen kurz bevor und ich bin mal wieder krank. Naja oder so ähnlich.

Das Vorbereiten der Vorlesungen und Seminare fällt mir gerade total schwer. Irgendwie habe ich da so eine Art Blockade oder sowas. Lerneritis. Oder meine Prüfungsallergie schlägt zu. Wer weiß…

Aber immerhin ist ein Stressfaktor weg: die Gruppenarbeit für Methodik. Wir sollten uns ein Thema überlegen, zu dem wir eine Befragung durchführen und dann eine Arbeit schreiben. Dazu hatten wir gerade einmal 6 Wochen Zeit. Das klingt erstmal gar nicht so kurz, aber jeder, der schonmal Hypothesen formulieren, einen Fragebogen erstellen und wissenschaftlich korrekte Auswertungen der erhobenen Daten machen musste, weiß, wie viel Zeit da vergeht. 6 Wochen sind also verdammt knapp. Zudem gibt es nicht unbedingt viele gemeinsame Freistunden, in denen man sich treffen könnte, wenn jeder etwas anderes studiert. Und überhaupt muss ja erstmal ein Thema gefunden werden, das alle Gruppenmitglieder gut finden.

Aber puh, das ist endlich geschafft. Der nächste Halt ist nun die Englisch- Klausur am 12.7. Englisch ist ja eigentlich nicht so das Problem, aber wenn man soziologische Theorien auf Englisch wiedergeben, anwenden und erläutern soll, ist das dann doch nicht mehr so easy.

Danach folgen die Klausuren in Makrosoziologie und Methodik am 18. und 19.7. Für beides ist total viel zu lernen- und bei Makro ist noch das „Zuckerstückchen“, dass ich keinen Plan habe, was man da lernen soll Oo

Und das schlimmste kommt zum Schluss: Statistik am 25.7. Ich blicke absolut nicht durch und mein Prof ist da nicht gerade hilfreich, weil er didaktisch- naa sagen wir… nicht so begabt ist wie mit Statistik.

Alles in allem dürfte jetzt wohl klar sein, warum ich mich so winde. Es ist zum Mäusemelken. Brüllmaus, verdammte!

Achja, meine Hausarbeit steht ja auch noch an. Ich habe noch nicht einmal ein Thema. Und zu diesem nicht vorhandenen Thema muss ich noch 15 Seiten bis Ende September schreiben. Das Seminar heißt „Soziologie des Zufalls.“ Habt ihr Ideen? Zufall im Alltag? Oder sowas?

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