Herzenssache*

2004. Saskia!

Ich lernte Saskia kennen, als sie mit 15 oder 16, also etwa 2002, zu uns in die Jugendtheatergruppe kam. Unsere Regisseurin hatte uns darauf vorbereitet, dass Saskia einen Herzfehler hat und wir daher vor allem anfangs, wenn sie uns noch nicht kennt und aufgeregt ist, behutsam sein sollen.

Saskia war etwas schüchtern, aber ich merkte sofort, dass sie ein tolles Mädchen ist. Die Sorte, die ganz fein und ruhig ist, aber einen mit kessen Sprüchen vom Hocker reißen kann. Und das konnte sie gut! Schnell war sie ein Teil von uns, den wir alle in unsere Herzen schlossen. Man kann gar nicht anders, wenn da ein Mensch ist, der so liebenswürdig und feinfühlig ist, so hilfsbereit und gebend.

Wir freuten uns, als es endlich, nach vielen Jahren bangen Wartens, ein Spenderherz für Saskia gab. Sie war schließlich 17 und hatte bisher so viele Dinge noch nicht ausprobieren können, weil ihr krankes Herz das nicht zuließ.

Wenige Monate später war sie tot. Nachdem ihr das neue Herz gut tat und sogar Farbe in ihr Gesicht zauberte, fiel sie eines sonnigen Tages in der Küche im Beisein ihrer Eltern einfach um. Sie hatte gerade noch gelacht und sank im nächsten Moment, „Mama!“ sagend, zu Boden. Neun Tage vor ihrem 18. Geburtstag.


2015. Nachdem mein Stief ein paar Jahre lang nun mit einer experimentellen herzunterstützenden Maschine lebt, wurde er jetzt für die Untersuchungen vor einer Transplantation in einem spezialisierten Krankenhaus einquartiert. Nächste Woche soll er dann erfahren, ob er auf die Dringlichkeitsliste für ein Spenderherz kommt oder nicht. Das sollte er schon letzte Woche erfahren und auch schon in der Woche davor, aber man soll ja weder meckern noch drängeln.

Sollte sein Name auf der Liste stehen, darf er für eine unbestimmte Zeit nicht mehr das Krankenhaus verlassen. Das ist für ihn persönlich der blanke Horror, fernab der Heimat in diesem Zimmer, ohne abschätzen zu können, wann er wieder gehen darf. Aber da muss er durch, so hart es ihm jetzt erscheint. Die Untersuchungen waren quälend, zwischendurch brauchte er einige Operationen zur Nachsorge bei der Herzmaschine. Die hat er aber alle überstanden, zumindest vorläufig. Jetzt heißt es warten.

Warten und hoffen.


*Nein, es geht nicht um die Hilfsorganisation des SWR und SR. Aber wenn wir die schon einmal erwähnt haben, könnt ihr euch die auch gerne einmal anschauen. Ist ’ne gute Sache.

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Autor: nickel

Schmeckt wie Regenbogen. kopfbunt, verhaltensoriginell, warmherzig, ehrlich, verrückt, denkintensiv, pflegeleicht. Manchmal.

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