Als ich einmal schwanger war

Ein Rückblick auf meine Schwangerschaft

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Nein, das Mäusekind ist noch nicht geboren. Aber wir sind jetzt wirklich ganz nah am Ende der Schwangerschaft angelangt und daher möchte ich doch einmal rekapitulieren. Ziemlich langer Beitrag geworden. Dafür habe ich alles „Eklige“ raus gelassen. 😉

Der positive Schwangerschaftstest

Als ich vom Besuch in England zurück nach Jena kam, ging es mir ein wenig komisch. Ich hatte einige PMS-Symptome, aber eben keine Regel. Jedoch dachte ich mir dabei nicht so viel, da dieser ganze Apparat bei mir ohnehin nur hin und wieder mal sporadisch funktionierte, wenn er denn gerade Lust hatte. Nur dieses Ziehen und Drücken in den Brüsten über mehrere Wochen, das war neu und ziemlich unangenehm.

Mr. English hatte noch vor meiner Abreise gefragt, ob es sein könnte, dass ich schwanger bin. Ich habe das abgetan und von mir geschoben. Es würde einmal sehr schwierig werden und ohne Medikamente gar nicht klappen, hieß es von mehreren Gynäkologen. Well…

Irgendwann zermürbte mich Mr. English’s Frage und ich kaufte einen Test in der Drogerie. Beim Bezahlen war ich so nervös, dass ich Unsinn vor mich hin gestammelt habe und mich auch noch verzählte. Zu Hause angekommen atmete ich drei mal durch und dachte mir schließlich „Wenn du es nicht gleich machst, machst du das nie!“

Ich schwöre, der Test zeigte SOFORT zwei Streifen an, doch ich steckte ihn erst einmal weg und stellte einen Timer. Das Ergebnis kennt ihr ja.

Der Anruf – Wie sage ich es ihm?

In dem Moment, in dem ich den positiven Test in den Händen hielt, zerbrach eine Welt für mich. Nein, ich war nicht überglücklich, ich war entsetzt! Ich fing an hysterisch zu weinen und zitterte wie Espenlaub. Bereits zuvor hatte ich überlegt, wie ich es Mr. English im Fall des Falles sagen sollte – und wann. Es war ungewiss, wann wir uns wiedersehen würden, daher fiel Warten auf ein Treffen als Option aus. Ob ich es ihm direkt sagen sollte, darüber war ich mir jedoch uneins.

In dem Moment der Wahrheit jedoch musste ich ihn sofort sprechen. Ich war so erschrocken und ängstlich, dass ich ihn einfach brauchte. Er war gerade auf dem Sprung zur Uni, also schrieb ich ihm schnell, dass ich mit ihm reden müsse und bat um ein Telefonat.

Ich rief ihn an. Es klingelte gefühlt ewig. Gerade hatte ich mich wieder beruhigt, musste ich beim Klang seiner Stimme doch wieder weinen. Was los sei, ob ich ihn bloß vermisse oder ob es etwas anderes gäbe, fragte er mich. Es gäbe da ein Problem, sagte ich und weinte erneut bitterlich. Der arme Kerl wusste nicht was los war und ich konnte nicht antworten, sondern heulte ihm ins Ohr!

Schließlich erzählte ich ihm, was los war und wir hatten ein sehr langes Gespräch, in dem ich dann doch noch lachen konnte und er mir sehr viel Angst nahm. Die Entscheidung war gefallen, wir werden Eltern!

Das erste Trimester

Das erste Trimester fiel genau mit dem Start des neuen Studiensemesters zusammen, was mir doch ein bisschen Probleme bereitete, die ich so nicht kommen sah. Dass einem in der ersten Zeit übel wird, ist ja bekannt. Aber was ich da mitmachte, das war schon nicht mehr normal. Hyperemesis Gravidarum, echt Moppelkotze, das Ganze. So war ich über Wochen nicht in der Lage zu Seminaren und Vorlesungen zu gehen, was am Ende des Semesters dazu führte, dass ich ein paar falsche Entscheidungen traf, etwa mich zu den Prüfungen anzumelden, dann aber nicht in der Lage war, meine Hausarbeiten zu schreiben. Nachprüfungen, Anmeldung zum Drittversuch, psychische Belastungen die man in einer ohnehin schon schwierigen Situation nun wahrlich nicht braucht. Die Klausur zur nur 2 mal besuchten Vorlesung habe ich allerdings mit gut bestanden.

Zweites Semester und Feindiagnostik

Leider hatte sich die Übelkeit nicht wie in Schwangerschaftsforen versprochen nach der 12. Woche gelegt, sondern begleitete mich zuverlässig auch noch bis in den 5. Monat. Ich hatte ziemlich viel abgenommen, doch der Bauch wuchs allmählich und das Mäusekind wuchs und gedieh prächtig.

Etwa in der 20. Woche hatten wir einen Termin zur Feindiagnostik im Klinikum. Mr. English war gerade bei mir – und nach dem Erlebnis dort war ich darüber mehr als froh. Zu den Ultraschalluntersuchungen zuvor war ich bereits aufgeregt; das steigerte sich zur Feindiagnostik noch. Heute glaube ich, dass ich etwas zu naiv heran gegangen bin. Zwar war mir bewusst, dass dort etwas gefunden werden kann, von Lappalien bis hin zu Diagnosen, die eine Schwangerschaft beenden können, ist alles möglich. Doch ich dachte nicht, dass gerade UNSER Kind, das sich bis dato so toll und schnell entwickelt hatte, auffällig sein würde.

Die Untersuchung an sich war sehr unangenehm. Die Ärztin drückte mit dem Ultraschallkopf sehr stark in meine Leistengegend, was enorm schmerzte. Tatsächlich so stark, dass ich noch Tage später blaue Flecken davon hatte. Ich krallte mich an Mr. English’s Hand fest und versuchte den Schmerz wegzuatmen, während ich gebannt auf den Monitor schaute, der unser kleines Wunder in guter Auflösung zeigte.

„Hier habe ich etwas gefunden. Und die Wirbelsäule sieht auch auffällig aus…“ Ein Satz, der mir den Boden unter den Füßen wegzog und mir ein Pfeifen in den Ohren machte. Den Rest habe ich nur noch wie betäubt erlebt. Sie versuchte mehr zu sehen und drückte den Schallkopf weiter in meinen Bauch. In einem kurzen Gespräch musste ich erst einmal weinen und versuchte unter Tränen, das ganze auf Englisch zu übersetzen – die Ärztin konnte oder wollte nicht Englisch sprechen. Wir sollten im Wartezimmer Platz nehmen und auf den Chefarzt warten, der noch einmal schauen wollte.

Im Wartezimmer saßen noch andere werdende Eltern, wir dazwischen. Ich, die einfach nur weinen konnte und Mr. English, der mich versuchte zu trösten. Vermutlich haben wir ihnen leid getan, so kam es mir jedenfalls vor, als sie uns anblickten. Eine Frau telefonierte mit ihrem Vater und sagte, es sei alles gut. Das machte mich so wütend, obwohl ich mich auch für Fremde über solche Nachrichten sonst freuen kann. Aber es war einfach ein derart schlechtes Timing, nach diesen ungewissen Diagnosen, die wir gerade bekamen, dass ich nicht anders konnte als wütend zu werden.

Der Chefarzt war sehr freundlich und ein bisschen wie ein lieber Opa, tatsächlich erinnerte er mich ein klein wenig an meinen. Er tat die Auffälligkeit an der Wirbelsäule schnell als Schatten im Ultraschall ab, was mir einen riesigen Stein vom Herzen purzeln ließ. Die andere Diagnose bestätigte er allerdings. Schließlich wurde eine Fruchtwasserpunktion durchgeführt um genetische Ursachen auszuschließen – zuvor hatte ich mich bewusst gegen die Prozedur entschieden, da mir die Risiken zu groß erschienen, aber so hatte sich die Kalkulation nun eben verschoben. (Zwei Tage später zogen wir um. Einen Umzug während gebotener Bettruhe kann ich NICHT empfehlen!)

Long story short: Gentest unauffällig, späteres MRT verlief erwartungsgemäß und das Ganze ist nicht erfreulich, aber okay. Nicht behandelbar, aber auch nicht lebensbedrohlich.

Drittes Trimester

Während man bis Mitte des 2. Semesters gerade so etwas erahnen konnte, schoss die Babykugel im dritten Trimester geradezu aus mir heraus. Wirklich komisch, wenn einem selbst die weiten Shirts plötzlich zu eng werden und die Hose, die letzte Woche noch passte, auf einmal nicht mehr zu geht. Überhaupt hätte ich es mir nicht so anstrengend vorgestellt, in Kleidung herein und aus Kleidung wieder heraus zu kommen. Oder in Schuhe! Seit ein paar Wochen sind meine Füße so angeschwollen, dass selbst die weiten Slipper kneifen. Meine Finger kann ich an manchen Tagen gar nicht mehr biegen.

Zwischendurch versetzte das die Ärzte dezent in Angst, denn Präeklampsie zeigt neben Bluthochdruck (check), Kopfschmerzen (check) und Wassereinlagerungen (check) ähnliche Symptome. Bluthochdruck hatte ich aber schon vorher und die Kopfschmerzen kamen von dem Stress, den ich hatte, weil ich allein auf mich gestellt war, den Haushalt hochschwanger allein schmeißen musste und nebenbei noch Hausarbeiten und Referate anstanden, die mich teils die Nächte durchmachen ließen.

Kurzzeitig versetzte mein Gyn mich in Panik, weil er meinte, dass er zum Geburtstermin einleiten lassen würde, da mein Bluthochdruck langsam kritisch würde. Das hat er sich aber mittlerweile zum Glück wieder anders überlegt.

Fazit

Es gibt viele schöne Momente in einer Schwangerschaft. Das erste Strampeln, das man fühlt. Die Ultraschallbilder, die einem zeigen, dass da tatsächlich ein kleines Wunder wächst. Die Liebe, die man vielleicht schon fühlt, obwohl das Kindchen noch gar nicht geboren ist. Die Freude, die man erleben kann, wenn man Freunden und Verwandten die Botschaft überbringt. Die Fürsorge, die man erhält. Ja, all das waren tolle Erlebnisse, über die ich sehr dankbar bin.

Jedoch, die Schwangerschaft werde ich großteils wohl nicht vermissen. Ich fühlte mich die meiste Zeit über unwohl bis hundeelend, hatte so viele Sorgen und Probleme, die mich manchmal an den Rande des Aufgebens drängten. Dazu fällt mir die Decke auf den Kopf, da ich kaum noch etwas unternehmen kann, kaum laufen und stehen. Es reicht jetzt eben einfach.

Ich freue mich auf das Mäusekind, auf Mr. English als Daddy Cool und auf das Abenteuer Mama.

Autor: nickel

Schmeckt wie Regenbogen. kopfbunt, verhaltensoriginell, warmherzig, ehrlich, verrückt, denkintensiv, pflegeleicht. Manchmal.

11 Kommentare zu „Als ich einmal schwanger war“

  1. Das ist ein lebendiges Stimmungsbild einer Schwangerschaft. Ich habe auch im Juni ein Kind geboren, bei ähnlicher Hitze. Nächste Woche wird er 27. Wo bleibt nur die Zeit?
    Ich wünsche dir von Herzen alles Gute. Bald hast du dein kleines Wunder in den Armen. 🙂

    Gefällt 1 Person

      1. Das könnte noch eine Weile so bleiben. 😉 Vielleicht aber auch nicht und das Kleine schläft bald durch. Juni-Kinder sind so, mein Baby zu der Zeit hat von Anfang an 6 Std. durchschlafen können. 🙂

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