15. Dezember

Ein Beitrag von Lady Angeli

Dieses Jahr wollen wir keinen Weihnachtsbaum….

Vor ungefähr 12/13 Jahren wohnten wir in Herten, schön oben unterm Dach. Wir hatten eine ganze Etage für uns, die beiden ursprünglich getrennten Wohnungen wurden auf unseren Wunsch hin im Wohn-Essbereich zusammengelegt und so hatten wir echt jede Menge Platz für unsere beiden Hunde und unsere beiden Katzen.

In dem besagten Jahr berieten wir uns erneut darüber, ob wir einen Weihnachtsbaum aufstellen soll-ten. Denn wir mussten beide „zwischen den Jahren“ arbeiten, hätten also nicht viel davon gehabt. Daher beschlossen wir, ok, der Adventkranz reicht, dieses Jahr gibt es keinen Weihnachtsbaum.

Der 24. 12. kam. Ich hatte den ganzen Tag frei und irgendwann am Vormittag ging es mir durch: Nee, so ganz ohne Baum ist doch irgendwie doof! Da ich wusste, dass wir keinen Christbaumständer mehr hatten, beschloss ich einen mit Wurzeln zu kaufen, den in einen Blumentopf zu packen und gut wäre es.

Ein Stück die Straße runter war ein Weihnachtsbaumhändler und so schnappte ich mir in Ermangelung eines Autos mein Fahrrad und kurvte dahin. Ich fand auch einen tollen Baum, auch bezahlbar und transportierte den mehr schlecht als recht die Straße wieder rauf und in die 3. Etage hoch. Ich sag‘ nur Altbau!

Klar, dass nach der Hochschlepperei zunächst der Flur von oben nach unten gewischt werden durfte, denn es war nasse Erde, die nur mit diesen Stofflumpen umwickelt war und da war einiges auf die Stufen und Zwischengeschosse gerieselt.

Aber gut, irgendwann stand das Teil im Wohnzimmer, schön geschmückt und harrte zusammen mit mir auf die Rückkehr von GöGa, der an dem Tag arbeiten musste, damit wir endlich Weihnachten feiern könnten.

Um 16 Uhr klingelte es. Verwundert drückte ich den Türsummer, flitzte zum Küchenfenster und sah, dass GöGas Auto vor der Tür stand. Nanu? Warum schellte er?

Mich überfiel eine Ahnung….

Also öffnete ich die Tür und genau, da tauchte auch schon die Baumspitze auf und kurz dahinter das Gesicht meines Mannes…

Ich fing schallend an zu lachen! Er stand inzwischen vor der Tür, guckte mich an und meinte ganz tro-cken: Du hast auch einen Baum gekauft, oder?

DAS konnte ich ja nur bejahen!

Nun gut, er hatte einen ohne Wurzeln gekauft und jagte noch einmal zu seiner Mutter los, um sich von ihr einen Baumständer zu leihen. Derweil packte ich noch einmal den Weihnachtsschmuck aus, damit wir auch diesen Baum schmücken könnten. Gut nur, dass wir die beiden Wohnungen so zusammenge-legt hatten, dass wir ein schönes großes Wohnzimmer und ein ebenso großes Esszimmer hatten!

So stand in dem Jahr ein schöner Weihnachtsbaum im Esszimmer und einer im Wohnzimmer, bei deren Anblick wir jedes Mal breit schmunzeln mussten.

Insofern war das von ganz allein eine fröhliche Weihnacht!

Angeli

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Freitagsfragen

1.) Trinkst Du im Winter besondere Getränke, die Du sonst im Jahr nicht trinkst?

2.) Gehst Du gerne auf Weihnachtsmärkte?

3.) Schmückst Du Deine Wohnung zu besonderen Anlässen oder den Jahreszeiten?

4.) Die Wahl der Qual: Würdest Du Weihnachten lieber allein verbringen oder mit jemandem feiern, den Du nicht magst?

Einen schönen dritten Advent!

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14. Dezember

Ein Beitrag von Miss Whimsy

Weihnachtsdekoration

Hallo, mein Name ist Miss Whimsy und ich bin ein Deko-Opfer. Ein passives.
Im Gegensatz zu aktiv süchtigen Deko-Opfern, die sich stundenlang ihrer Sucht hingeben und jeden Baumarkt nach dem Weihnachtsmarkt absuchen, bin ich sozusagen co-abhängig.

Irgend jemand unter meinen Freunden muss einmal das Gerücht gestreut haben, dass ich zu schüchtern bin, mein Heim selber mit einer Armee selig lächelnder Engel voll zu stellen. Seitdem werde ich zuverlässig von mitgebrachten Weihnachtsmännern, Engeln, Rentieren und entzückenden Schneemännern überrannt. Jeder Weihnachtsmarktbesuch meiner Freunde führt unweigerlich dazu, dass ich wieder einen elternlosen Elf zwangsadoptiere und was noch bedrückender ist, sein hübsches Keramikhaus auch direkt mit angeliefert wird.

Der Nachteil dieser Weihnachtshäuser ist, dass man sie sammeln kann, bis man ein Dorf zusammen hat. Für die nächsten Jahre ist mein Schicksal also schon vorhersehbar. Ich werde Dörfer auf meinen Fensterbrettern bauen, mit heimeligem Schnee aus Dekowatte und kleinen künstlichen Tannenbäumen, die die verschneiten Wege säumen.

Außer es passiert ein Unglück, also ein bedauernswertes, wenn zum Beispiel durch ein Missgeschick der Karton mit der Weihnachtsdekoration ein Opfer der Schwerkraft wird. Sicherheitshalber zwei Mal.

13. Dezember

Ein Beitrag von Wirrkopf

 

Aus Holy Horror Christmas (ISBN 978-3-492-27349-8)

Wiglaf Droste

Weihnachten: Ungefickt zu Mutter

Heiligabend, Stichtag der Angst. Zwei Spätheimkehrerinnen berichten

Also „MUTTER“ ist ja ein ganz saudummes Wort. Ich meine, allein schon so als Wort.

Die Frau am Nebentisch sagte das sehr entschieden, ihre Zuhörerin nickte heftig und ich wurde wach.

„Wie das schon klingt – MUTTA!“, fuhr die Sprecherin fort.

„Wie Mutant und Mutterboden. Ich denke da immer an >Psycho< von Hitchcock, wie Anthony Perkins mit dumpfer Stimme sagt >Hallo, Mutter. Ich bin es, Mutter<. Und jetzt muss ich da wieder hinfahrn!“

Die Sprecherin hatte Leben in der Stimme, ein bisschen Rage und einen Anflug von Müdigkeit. Normalerweise schätze ich es nicht, im Café mit den Gesprächen fremder Menschen behelligt zu werden, aber diesmal war es mir ganz recht. Ich hatte Kaffee getrunken und Zeitung gelesen; Ein paar Lobbyisten erklärten Rudi Dutschke salbungsvoll zu ihrem ganz persönlichen Jesus und gefielen sich darin, eine Straße nach ihm benennen zu wollen.

Befeuert von aktionistischer Seligkeit trompeteten sie die flachsinnige Idee in die Welt und machten eine ganze Zeitung damit voll. Ob es an Weihnachten lag?

Kitsch hat ja immer Konjunktur, aber wenn Heiligabend und das Christkind vor der Tür stehen, kommt der Terror in besonders dicken Happen. Ich hatte einmal die Archivaufnahme einer Dutschke-Rede gehört und wusste seitdem, was Brei auf Stelzen ist.

Den beiden Frauen am Nebentisch war der Studentenführer egal, sie drängte Persönlicheres.

„Ich kann’s auch nicht ab!“, stöhnte die zweite Frau auf. Bisher hatte sie nur zugehört und mit weiblicher Ermunterungsmimik den Redefluss ihrer Freundin an Leben erhalten. Nun aber sturzbachte es auch aus ihr heraus. Wenn mein Bruder >Mutti< sagt, muss ich brechen. Wie der das ausspricht – mit weichem d! >Naaa, Muddi<, sagt der dann.

Gah! Ein erwachsener Mann von über vierzig ein >Mutti<-Sager! Und dann ist auch noch Weihnachten und man kann nicht mal abhauen.

Verstohlen betrachtete ich die beiden Frauen. Sie waren selbstunzweifelhaft erwachsen, ich schätzte sie auf Anfang bis Mitte dreißig. Beide verfügten sichtlich über Schönheit und Energie

auch Angst war im Spiel. „Noch zwei Kaffee, bitte!“, sagte die kurz zuvor noch von ihrem Mutti-Bruder entsetzensgepeitschte Frau zum Kellner. Der bot mechanisch allerlei italienisch Klingendes an. „Nein, ganz normalen Kaffee“, entgegnete ihm die Frau. Keinen Schaumscheiß, bitte.

Ich folgte ihrem Beispiel, bestellte und bekam Kaffee und tat, als läse ich weiter Zeitung – die beiden Frauen sollten sich ganz unbeobachtet fühlen und schon weitersprechen. Weil sie aber gerade Kaffee schlürften und Sprechpause hatten, heftete ich meine Augen wie hochkonzentriert ins Blatt – das mir nun damit kam, die Zeitung an sich sei etwas unglaublich Dolles, Rares und Erhaltungswürdiges und per se ein Ort der Kultur und des Geistes und überhaupt.

Nicht schlecht, dachte ich. Die Zeitung thematisiert sich selbst, haut sich kräftig auf die eigene Schulter und verkauft das als Nachricht, während andere ihre Reklameartikel ja verschenken müssen. Ich überlegte, bei welchen Freunden des Überflüssigen der Trick wohl zöge – mein eigener Bedarf an Zeitung war drastisch geschrumpft – seitdem ich keine Ofenheizung mehr hatte.

Endlich rissen mich die Frauen am Nebentisch in die Wirklichkeit zurück; Verglichen mit Zeitunglesen ist noch das kleinste Fitzelchen Leben sensationell. Die Frau, die so lustig tönern „Hallo Mutter“ sagen konnte, hatte die Sprache wiedergefunden.

„Die letzten Tage vor Weihnachten sind der reine Exodus“, hob sie an. „Du musst mal am Bahnhof kucken, was da alles nach Hause fährt. Und wie die aussehen – wie eine besiegte Armee.

Hundeaugen, hängende Schultern, gebeugt, gebückt, zerdrückt – das ist die Weihnachtsfreude.“

Sie lachte hell und grimmig. „Und ich mache das auch! Weihnachten zu Hause! Drei Tage Gesichter wie eingeschlafene Füße – all diese leeren, sexlosen Gestalten.

Wenn man sich wenigstens auf Vorrat mit Sex vollhauen könnte! Und ausgerechnet jetzt! -Ihre Stimme nahm Wut an -, habe ich Schluss mit meinem Freund gemacht.

Weißt du ja, seit drei Wochen. Ganz schlechtes Timing.

Ihre Freundin kicherte. „Wem sagst du das?“, fragte sie. Bei mir ist doch auch seit 14 Tagen Finito. Aus bloßem Ordnungssinn. Ich wollte das einfach noch im alten Jahr erledigt haben. Und jetzt müssen wir beide in diesen Film: Weihnachten ungefickt zu Mutter fahrn!

Die beiden prusteten los und freuten sich so sehr, dass sie Champagner bestellten. Sie tranken und wiederholten, der Drohung ungeachtet, immer munterer und begeisterter:

„Wir müssen mit der Eisenbahn / ungefickt zu Mutter fahrn! Da lachte nun auch ich mit – woraufhin die beiden schlagartig verstummten, und dann wurden wir alle drei rot, so rot wie eine Weihnachtsgans.

12. Dezember

Ein Beitrag von Ianna von Baskerville

Winterstille

Fällt der Schnee auf diese Welt
Ist es still, man hört kein‘ Laut
So zaubert er ruhig und leise
Auf seine eig’ne Art und Weise
Ein wunderbares Winterkleid

Nun schaue zu, wie Flocken tanzen
Hoch und runter, hin und her
Halten auf das schnelle Leben
Dem wir uns ganz und gar verschrieben
Um uns selbst zu finden