Eintopf

Meine Herren und Herrinnen, geehrte Damen und Dämonen,

Das Ihnen präsentierte Gericht ist eine Empfehlung des Hauses und Sie werden schnell merken, weshalb: der Eintopf bietet etwas für eine jede Genießerin und für jeden Schlemmer.

Bevor ich Sie weiter von Ihrem Genuss abhalte, wünsche ich Ihnen einen guten Appetit und sage Voilá, das Buffet ist eröffnet!female-1778654_1280


Fittnessstudio. Früher Nachmittag. Ich quäle mich durch ein paar Übungen, die mich körperlich herausfordern, da ich mir selbst beweisen muss, dass ich auch locker noch 5kg mehr stemmen kann, als eine Frau etwa in meinem Alter, zierlich in der Physique aber mit massiven Oberarmen bestückt locker das Doppelte stemmt und dabei keine Miene verzieht.

Ich weiß nicht, ob ich mich motiviert oder demotiviert fühlen soll, drehe meine Musik ein bisschen lauter und unterdrücke ein Tränchen der Eitelkeit wegen. Wenn schon Schwächling, dann wenigstens nicht heulen.


Heimweg vom Kindergarten mit Püppi im Buggy. Ist euch einmal aufgefallen, wie Ältere und ganz besonders ältere Frauen ums Verrecken auf der rechten Seite laufen müssen? Es gibt auf unserem Heimweg einen Abschnitt mit zwar breitem Gehweg, der aber mit Ausnahme eines Streifens frischeren und glatten Teers gerade für Kinder im Buggy eine Holperfahrt bietet, was ich dem armen Kinde nicht antun will. Uns kommt eine ältere Person entgegen, ich schätze etwa 65, gut zu Fuß und wundere mich, warum jener Mensch schnurstracks auf uns zusteuert. Selbstverständlich muss dieser Jemand gleich ausweichen, da wir zahlenmäßig überlegen sind und das Rangieren mit dem Buggy doch etwas mehr Aufwand erfordert als kurz zur Seite auszuweichen und wieder auf die Spur zurück zu kehren.

Denkste! Das Spaziermonster hätte uns vermutlich vom Weg gebodyslamt, hätte ich nicht in letzter Sekunde ein Ausweichmanöver eingeleitet. Nix zu verlieren.


Uni. Ich betrete den Seminarraum, als ich unsere brillante aber technisch wenig bewandte Dozentin erblicke, wie sie versucht, sich ins Intranet einzuwählen. Als mir auffällt, dass sie einen Teil der Kennung weggelassen hat und ausschließlich ihren Nutzernamen eingegeben hat, wo eigentlich noch die Zuordnung stehen soll, weise ich sie darauf hin. Nee, das müsse nicht, das sei wohl bei Dozenten anders. Auch aus der Reihe der Seminarteilnehmerinnen ertönt eine ähnliche Angabe.

Macht halt, ich habe Zeit, denke ich mir und kümmere mich um wichtige Dinge wie das Checken meiner Whatsapp-Nachrichten. Nach ewigem Probieren ruft jemand das, was ich zuvor gesagt habe und sie versucht es. Es klappt. Magisch!

Meinen Stolz und mein „Ich hab’s doch gesagt!“ musste ich mit einem sehr großen Schluck Wasser hinunterspülen, sonst wäre es mir doch glatt entwichen.


Büro des Präsidenten der Uni. Wir sitzen mit 25+ Studierenden, dem Präsidenten und einer Vertretenden im Konferenzzimmer und diskutieren über die Zukunft unseres Studienfaches, die stark bedroht ist.

Hochschulpolitik ist beschissen. Deutschland sollte sich schämen. Blablabla, Land der Dichter und Denker, blablabla unsere Bildung ist unser höchstes Exportgut, blablabla Zukunft yadda yadda. Vor einigen Jahren wurde beschlossen, dass Unis massiv Geld einsparen müssen. 2014 wurde den Unis mitgeteilt, sie haben X Stellen anzugeben, die sie bis 2020 abbauen. Für die Uni Jena waren das 125 Stellen. Einhundertfüfnundzwanzig Lehrende, die ihre Schreibtische räumen sollten! Ohne Wenn und Aber. Ohne weitere Möglichkeiten. Einfach 125 Stellen streichen.

Gleichzeitig soll jede Uni aber eine Mindestzahl an Studenten haben, Jena zwischen 19 und 20 Tausend. Wir liegen bei 18 Tausend und damit darunter, was ganz normal ist, da die starken Jahrgänge langsam gehen und auch der Doppel-Abi-Jahrgang abschließt. Es fallen aber etliche Lehrstühle weg. Aus Geldgründen.

Frage mich an dieser Stelle, wie viele Lehrstühle etwa das Geld aus den CumEx Files finanzieren könnte. Bin massiv angepisst über diese hirnlose Bundespolitik. Man sieht mal wieder, dass da Leute am Werk sind, die von nix eine Ahnung haben.


Wohnzimmer. Ich lasse mir Qigong zeigen, wir machen hauptsächlich Dehnübungen für den Nacken. Es fühlt sich nicht gut an. Eine Woche später habe ich noch immer Schmerzen. Mir fällt der Unfall vor 13 Jahren ein, bei dem ich umgefallen bin wie ein nasser Sack, gelandet auf dem Asphalt, mit dem Hinterkopf voran. Im Krankenhaus tut mir eine ganz spezifische Stelle im Genick weh. Es wird geröntgt und nichts gefunden. Seitdem habe ich jedoch an genau dieser Stelle wiederkehrende Schmerzen. Kein Arzt glaubt mir. Und nun soll mir mal einer sagen, dass eine Verletzung durch Dehnungsübungen völlig normal ist.


 

Im Viertel. Püppi sitzt auf Papas Schultern und freut sich wie ein Honigpferd über ihre Laterne. Ich habe mich lange auf den Martinsumzug gefreut, doch jetzt in der sich bewegenden Masse muss ich alle Atemübungen anwenden, die ich kenne. Scheiß Agoraphobie, warum jetzt? Versuche mir nichts anmerken zu lassen, bin aber gereizt und aggressiv. Als alles vorbei ist, freue ich mich an der süßen Laterne und den schönen Fotos, die wir geschossen haben. Püppi schläft selig ein und die Nacht durch. Müssen das wiederholen.

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Antworten

1.) Erledigst Du Aufgaben sofort oder schiebst Du sie vor Dir her?

Ich war zeitlebens immer eine furchtbare Prokrastinatorin. Alles bis auf den letzten Drücker warten lassen war mein Mantra. Einmal habe ich eine Hausarbeit, für die ich eigentlich 3 Monate Zeit gehabt hätte, in 3 Tagen geschrieben – weil dann Deadline war…

Durch Püppi habe ich aber gelernt: was ich jetzt nicht mache, dafür habe ich später vielleicht keine Zeit. Das klappt nicht immer mit allem und wenn ich mal Zeit für mich habe nutze ich die gerne auch einmal überlang. Aber grundsätzlich hat mich das doch sehr geerdet. Außerdem: wenn man etwas sofort erledigt, wächst es nicht.

2.) Wie motivierst Du Dich zu unangenehmen Erledigungen?

Ich mache es einfach, statt es zu zerdenken.

3.) Sagst Du Deinen Mitmenschen lieber, was Du Dir zum Geburtstag wünschst, oder lässt Du Dich lieber überraschen?

Ich lasse mich viel lieber überraschen. Nur selten habe ich konkrete Wünsche und noch seltener erfülle ich sie mir nicht selbst. Das macht es zugegeben schwer für andere, mir etwas zu schenken. 😀

4.) Die Wahl der Qual: Eine schlaflose Nacht haben oder einen Tag verschlafen, an dem Du eigentlich viel vor hattest?

Das kommt ganz darauf an, wie viel ich gerade zu tun habe. Ein verschlafener Tag kann mich ganz schön in die Bredullie bringen, aber wenn ich denn mal tatsächlich lange schlafen kann, dann nutze ich das. Ausschlafen ist bei mir aber spätestens 10 Uhr zu Ende. Länger geht gar nicht mehr.

Antworten

1.) Machst Du Komplimente? Wann bekommt jemand ein Kompliment von Dir?

Ja, mache ich. Komplimente mache ich, wenn mir etwas Schönes an jemandem auffällt, etwa ein schöner Schal, oder gut gemachtes Make Up. Auch, wenn ich weiß, dass sich jemand wacker hält, obwohl das Leben gerade verrückt spielt. Oder für gute Ideen und schlaue Einfälle.

Die meisten Komplimente, falls man das überhaupt so nennen kann, bekommt naturgemäß Püppi. Ich bin aber auch wahnsinnig stolz auf sie.

2.) Sprichst Du fremde Menschen an?

Mittlerweile schon. Ich bin eigentlich von Natur aus ein sehr schüchterner Mensch, auch wenn mir das nie jemand so recht glauben will. Ich kann auch sehr „socially awkward“ sein, wie man das so schön nennt, mache es mir also gelegentlich schwerer als nötig, nur um nicht reden zu müssen.

Oft denke ich mir aber auch etwas, das ich gern sagen würde, wenn mir jemand auffällt (positiv!), bin dann aber doch zu ängstlich. Daran will ich noch arbeiten. Manchmal ergeben sich daraus nämlich nette Gespräche.

Im richtigen Rahmen, etwa bei einer Geburtstagsfeier von Freunden, kann ich aber sehr gut mit mir fremden Menschen reden, weil mich einfach interessiert, neue Leute kennen zu lernen. Dann kann ich auch locker und lustig sein und gelegentlich gehe ich auch mal ein Risiko mit meinem teils derben Humor ein. Manchmal kommt es gut an, manchmal mittelgut.

3.) Hast Du einmal an einem Wettbewerb teilgenommen?

In der Schulzeit habe ich einmal an einem nationalen Gedichtwettbewerb teilgenommen. Zu der Zeit habe ich sehr viele Gedichte geschrieben, auch Lieder. Einige davon sind mir vor einer Weile in die Hände gefallen und ich habe sie gelesen. Etwa 90% waren eher mittelgut, der Rest hat mich doch erstaunt.

Leider habe ich wohl etwas aus den 90% eingesendet, denn ich bin nicht weit gekommen. Meine Diskette (JAHA!) wurde mir wieder zurück geschickt, die liegt noch irgendwo herum.

4.) Die Wahl der Qual: Wärst Du lieber allwissend oder alles fühlend?

Da ich ein sehr emotionaler Mensch bin und damit an manchen Tagen nicht zurecht komme, darüber hinaus auch noch so empathisch bin, dass mich das Leid und der Schmerz anderer noch mehr herunterziehen können als mein eigener, wähle ich doch die Allwissenheit. Auch wenn die schmerzt. Aber damit kann man glaube ich besser lernen umzugehen. Vielleicht. Gott was frage ich für fiese Sachen.

Freitagsfragen

Freitagsfragen

Uff, ist tatsächlich schon wieder Freitag? Habe ich über den Feiertag am Mittwoch und Püppis Fernbleiben vom Kindergarten gestern gar nicht gemerkt. Na dann mal los, hier sind wieder Freitagsfragen:

1.) Machst Du Komplimente? Wann bekommt jemand ein Kompliment von Dir?

2.) Sprichst Du fremde Menschen an?

3.) Hast Du einmal an einem Wettbewerb teilgenommen?

4.) Die Wahl der Qual: Wärst Du lieber allwissend oder alles fühlend?

Habt ein schönes Wochenende und willkommen im November!

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Identität

Krieg raubt Identitäten.

Das wird mir gerade bewusst, als ich über Briefen aus dem Ersten Weltkrieg sitze und sie analysiere. Ich meine damit nicht nur, was der Krieg mit denen macht, die involviert sind und direkt betroffen.

Mir fehlt heute ein Stück meiner Identität, meiner Herkunft, weil meine Familiengeschichte für mich Mitte der 1930er Jahre aufhört. Das ist die Zeit, in der meine Großeltern geboren wurden, mütterlicherseits. Die Seite meines Vaters, inklusive ihm selbst, kenne ich nicht.

Woher wir kommen, welche Berufe meine Großeltern hatten, das ist mir bekannt. Auch woher unser Name kommt, das hat mir jemand erzählt, mit dem ich eine Handvoll Emails ausgetauscht habe und der zu diesem Namen geforscht hat. Aber da hört es fast auf. Dass mein Opa eine Schwester hatte wurde mir erst bekannt, als diese zufällig in das gleiche Gebäude (eine Mischung aus betreutem Wohnen und herkömmliche Wohnungen ohne Betreuung) zog, in dem er wohnte. Vor Kurzem erzählte meine Mutter, dass er wohl auch einen Bruder gehabt haben muss, aber mehr wisse sie auch nicht. Von meiner Oma weiß ich bloß, dass sie vor meinem Opa schon einmal verheiratet war, meinen ältesten Onkel bekam und später in die Ehe mit meinem Opa trat, aus der noch 4 weitere Kinder entstanden. Warum die erste Ehe nicht mehr bestand, Tod, Scheidung, was auch immer, weiß ich schon wieder nicht.

Meine Oma war ein Waisenkind und arbeite später als Köchin in einem Waisenhaus (demselben vielleicht?) Mit meinem Opa versuchte ich ein paar Mal, über die Vergangenheit zu reden. Bei jedem erneuten Versuch füllten sich seine Augen mit Tränen, was mir wiederum einen Stich ins Herz versetzte. Über den Tod meiner Oma kam er nie hinweg, bis zum Schluss nicht, als er 13 Jahre nach ihr ging. Über die Zeit davor, auch lange vor seiner Zeit mit ihr, konnte er nicht sprechen. So beschützten wir uns gegenseitig vor dem Schmerz vergangener Tage und wechselten immer wieder das Thema.

Vielleicht hätte ein Fremder ihn fragen müssen, vielleicht hätte er sich besser öffnen können. Ich lese immer wieder von phantastischen Interviews, die Kulturforscher mit Zeitzeugen führen, denen sie selbst intimste Details entlocken können. Vermutlich braucht es eine gewisse Distanz, um diese Nähe zuzulassen.

Ob ich jemals mehr erfahren werde als das, was ich jetzt weiß, ist ungewiss. Was ich aber tun kann ist meine Mutter nach und nach zu befragen, damit zumindest dieser Teil unserer Familiengeschichte erhalten bleibt und meine Tochter mehr erfahren kann, als es mir selbst möglich ist. Wie genau ich das handhaben werde, ist mir noch nicht klar. Vielleicht wäre ein extra Buch dafür gut, denn in das Tagebuch, das ich ihr schreibe, kommen eher Geschehnisse aus unserem Alltag.

Habt ihr vielleicht Ideen? Habt ihr selbst Familienbücher, Fotoalben, gemeinsame Tagebücher und dergleichen? Oder habt einmal davon gelesen? Schreibt gerne in die Kommentare, was ihr wisst oder schreibt auch gerne eigene Posts dazu.